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26.04.17 23:57 Alter: 29 Tage
Kategorie: Wasserball
Von: Frank von der Fösse

Abschied mit Applaus

Waspo 98 mit starker Abwehrleistung gegen Recco


Starke Leistung in der Abwehr und Torschütze zum 2:5: Hannovers Erik Bukowski. Foto: Jens Witte

Ein regelrechtes Schachspiel im Wasser bot der letzte Champions League-Auftritt der Waspo 98 Hannover: In einer von beiden Seiten defensiv stark geführten Partie unterlag der deutsche Pokalsieger nach einem 0:2 (!)-Rückstand beim Seitenwechsel gegen das Starensemble von Italiens Rekordmeister Pro Recco nach starker Vorstellung mit 7:10 (0:1, 0:1, 2:4, 5:4) Toren. Die Tore der Niedersachsen teilten sich vor über 400 Zuschauern in Niedersachsens größter Schwimm- und Wasserballerballarena Luka Sekulic, Aleksandar Radovic (je 2), Darko Brguljan, Erik Bukowski und Vincent Winkler.

„Offence wins games, defence wins championships“: Der alte Spruch aus dem American Football wurde beim Duell der beiden angehenden Endrundenausrichter für die Jahre 2018 bis 2021 am heutigen Abend auf die Spitze getrieben: Die vorne wie hinten bärenstark besetzten Italiener  demonstrierten als Mannschaft wie auch als Einzelkönner, wie international auf Weltklasseniveau verteidigt wird. Allerdings boten auch die Niedersachsen in der Defensive Wasserball vom Feinsten und demonstrierten, dass man die wohl beste Vereinsmannschaft der Welt auch über einen längeren Zeitraum durchaus ins Leere laufen lassen kann.

Die Hausherren präsentierten sich trotz – oder auch wegen der körperlichen – Unterlegenheit mit einer agilen und tiefgestaffelten Abwehrreihe mit Erik Bukowski an zentraler Stelle, bei den verbliebenen Würfen der Italiener fischte ein bärenstarker Roger Kong einiges weg. Anders als bei den beiden vorherigen Partien in Belgrad und Barcelona leisten sich die Niedersachsen diesmal keinen „black-out“ und erfüllten damit an diesem Abend auch die wichtigste Vorgabe von Trainer Karsten Seehafer. In der Spielmacherrolle ersetzte dabei Darko Brugljan weitgehend seinen Landesmann Predrag Jokic, da dieser auf der Centerposition den noch einmal geschonten Ante Corusic vertrat.

Im ersten Viertel gönnte die Gastgeber dem Favoriten lediglich einen Treffer sowie eine Überzahlchance: Einzig der Serbe Dusan Mandic, der Mann mit den vier Toren im Olympiafinale von Rio, traf in der fünften Spielminute aus dem Rückraum. Die Niedersachsen hätten es beinahe sogar geschafft, mit einem 1:1-Gleichstand in die Halbzeitpause zu gehen: Darko Brguljan verzog in der ersten Hälfte beim letzten eigenen Angriff der Lokalmatadoren hauchdünn. Stattdessen erhöhte der Serbe Dusko Pijetlovic, ein weiterer Olympiasieger in den Reihen der Italiener, neun Sekunden vor dem Seitenwechsel auf 2:0.

Im Angriff merkte man allerdings mehrfach, dass beide Teams derzeit das in Kürze anstehende Saisonfinale im Blick haben und dementsprechend darauf hintrainieren. Nach dem skurrilen Halbzeitstand von 2:0 für das Starensemble von der Ligurischen Küste fielen dann aber doch Tore: Pijetlovic erhöhte mit zwei weiteren Treffern schnell auf 4:0 (18.), doch Aleksandar Radovic per Freiwurf und Erik Bukowski in Überzahl brachten beim 1:4 und 2:5 jetzt auch den DSV-Vertreter erstmals auf die Anzeigetafel. Zwischendurch hatte auch Filip Filipovic mit dem 5:1 seinen ersten Treffer erzielt, nachdem Europas „Wasserballer des Jahres“ in der ersten Halbzeit einmal sogar der Ball von der Hand gefallen war, wie einige Zuschauer beinahe ehrfurchtsvoll feststellen mussten.

Auf Seiten der Gäste wurden jetzt insbesondere auch die atemberaubend schnellen Ballstaffeten  wiederholt erfolgreich abgeschlossen. In normaler Geschwindigkeit kaum mehr sichtbar war dabei der Rückraumtreffer von Dusan Mandic zum 9:4, der die Athletik im modernen Wasserball eindrucksvoll demonstrierte. Trotz der jetzt erhöhten Torfolge auf beiden Seiten hielten die Niedersachsen ebenfalls Kurs und legten im letzten Abschnitt ihrerseits sogar fünf Tore hin. Für den Treffer zum 7:10-Endstand sorgte 65 Sekunden vor dem Ende Hannovers dabei U19-Spieler Vincent Winkler, der in Uberzahl aus kurzer Distanz den Ball versenkte.

Als Roger Kong beim letzten Wurf der Italiener erneut parieren konnte, verabschiedete das Publikum die Lokalmatadoren bei ihrem letzten Angriff mit stehendem Applaus: Es war nicht nur der Dank für ein einmal mehr interessantes und engagiertes Spiel, sondern auch eine unterhaltsame Saison mit sechs spektakulären Spielen hier im Stadionbad und auch einmal sogar als kurzfristiger Gast im Bremer Unibad. Am kommenden Sonnabend (29. April) folgt von 17:30 Uhr an erneut eine Zusammenfassung der heutigen Begegnung auf dem bundesweiten Fernsehsender „Sport 1“.

Fotogalerie von Jens Witte

 

 

Champions League 2016/2017

Gruppe B, 10. Spieltag in Hannover

Waspo 98 Hannover (GER) – Pro Recco (ITA) 7:10 (0:1, 0:1, 2:4, 5:4)

Hannover: Roger Kong – Felix Haarstick, Roger Kong 1, Marin Ban, Darko Brguljan 1, Aleksandar Radovic 2, Predrag Jokic, Jorn Winkelhorst, Luka Sekulic 2, Pere Estrany, Marek Tkac, Vincent Winkler 1 und Luka Sucic. Trainer: Karsten Seehafer.

Persönliche Fehler: 7/5

Mit Dank an Wolfgang Philipps (Text) und Jens Witte (Fotos)


 
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