< Serbischer Abend im Stadionbad
21.12.16 22:40 Alter: 239 Tage
Kategorie: Wasserball
Von: Frank von der Fösse

Wiederauferstehung im Stadionbad

Waspo 98 holt Fünf-Tore-Rückstand auf


Aushilfstorwart und zweimaliger Torschütze beim Wasserball-Krimi gegen Belgrad: Pere Estrany. Foto: Jens Witte

Für vorweihnachtliche Unterhaltung und Gesprächsstoff war im Stadionbad bestens gesorgt: Der deutsche Vertreter Waspo 98 Hannover holte sich am dritten Spieltag der Champions League in einem Spiel der (eigenen) vergebenen Chancen nach einem 5:10- und 7:12-Rückstand mit einer beispiellosen Aufholjagd noch ein 12:12 (3:4, 0:3, 4:3, 5:2)-Unentschieden gegen Serbiens Rekordmeister Partizan Belgrad. Mit dieser „Wiederauferstehung“ bleibt die Mannschaft von Trainer Karsten Seehafer vor heimischer Kulisse nach grandioser Unterhaltung für die Zuschauer weiter ungeschlagen und auch weiter im Rennen um einen Endrundenplatz. 

Die heute Partie begann ähnlich wie in Berlin mit einer Schweigeminute für die Opfer des Anschlags in der Bundeshaupstadt. Waspo 98 starte vor einer erneut prächtigen Kulisse im Stadionbad nach Treffern von Darko Brguljan und Aleksandar Radovic mit einer 2:1-Führung (5.) wie erhofft vielversprechend, doch danach wollte den Hausherren nicht mehr viel gelingen. Im Angriff fehlten die zündenden Aktionen und gegen einen gut aufgelegten Gästeschlussmann Lazar Dobonanov auch die Chancenauswertun, und bei den Niedersachsen klappte anders als bei den Serben in den ersten drei Vierteln zudem über weite Phasen auch das Überzahlspiel nicht. Hinzu kamen auf Waspo98-Seite auch Patzer in der Abwehr: „Die hatten acht leichte Tore, wir eins“, meinte Erik Bukowski nach dem Spielende.

Auf der Gegenseite schien neben den Überzahlspielen insbesondere bei den gut angesetzten Distanzwürfen von Ognen Stojanovic (fünf Treffer) dagegen alles zu passen: Partian ging noch im ersten Viertel mit 4:2 (8.) in Führung und zog nach einem völlig verpatzten zweiten Abschnitt des Gastgebers gar auf 7:3 (16.) davon. Das torreiche dritte Viertel ging mit einem Teilresultat von 4:3 dann zwar erstmals an die Niedersachsen, doch auch hier wollte die Initialzündung für eine Aufholjagd nicht gelingen, obwohl bei einer abgewehrten Unterzahl kurzzeitig sogar Feldspieler Pere Estrany für den ausgeschlossenen Schlussmann Roger Kong zwischen die Pfosten rückte.

7:10 hiep es vor dem letzten Anschwimmen, und die ohnehin nur dünnen Chancen der Seehafer-Sieben sanken scheinbar vollends auf den Nullpunkt als die Gäste in den ersten 70 Sekunden zwei weitere Treffer zum 12:7 nachlegten. Während die Gesichter außerhalb des Wassers immer länger wurden hatten, sich die Waspo98-Spieler nicht aufgeben und starteten mit den verbliebenen 6:50 Minuten auf der Uhr eine beispiellose Aufholjagd. Der als vor allem als Passgeber aktive Erik Bukowski versenkte eine Minute später ein Überzahlspiel zum 8:12, und diese Aktion hatte dann endlich Signalwirkung Während nun die Gäste ihrerseits nicht mehr trafen und auch den Griff auf das Spiel nicht mehr bekamen, traf zweimal Aleksandar Radovic und dann Ante Corusic, so dass es mit 1:44 verbleibenden Minuten auf der Uhr nur noch 11:12 hieß.

Damit bekam die Seehafer-Sieben mathematisch noch zwei Chancen zum Ausgleich, und bereits die erste wurde genutzt: 56 Sekunden vor dem Ende löste sich Darko Brguljan halblinks im Rückraum aus einer Umklammerung und knallte mit seinem vierten Treffer des nunmehr denkwürdigen Abends den Ball zum spektakulären 12:12-Ausgleich in das linke obere Toreck. Waspo 98 überstand auch den Gegenzug der nunmehr vollends konsternierten Gäste hatte mit dem letzten Angriff der Partie sogar noch den Siegtreffer auf der Hand: Aleksandar Radovic wurde auf halbrechts in aussichtsreicher Position gefoult, allerdings konnten die Serben die direkte Ausführung des Freiwurfs abwenden, und auch bei der nachfolgenden Überzahl gelang den Niedersachsen kein gefährlicher Pass mehr.

Auch Waspo98-Trainer Karsten Seehafer musste nach der denkwürdigen Partie erst einmal durchatmen: „Große Spieler gehen gegen einen großen Verein unter“, er beinahe philosophisch die gezeigten Schwächen seines Teams, das allerdings nie aufgab und sich am Ende dann auch noch selbst belohnte. Am Ende konnten sich Seehafer und die zahlreichen Gäste in Niedersachsens größter Schwimm- und Wasserballarena über einen weiteren tollen Abend freuen. Die Tore teilten sich Aleksandar Radovic (4/1), Darko Brguljan (3), Ante Corusic, Pere Estrany (je 2) und Erik Bukowski. Bei den Gästen erlebte der frühere Waspo98-Spieler Marko Bolovic, der seit diesem Sommer an der Save aktiv ist, nach mehrwöchiger Krankheits- und Spielpause sein Comeback.

Einziger sportlicher Wermutstropfen dieser spektakulären Partie: Da es bei LEN-Spielen gleich drei Punkte für einen Sieg gibt, verlieren Unentschieden hinsichtlich der Platzierung einiges an Wert. „Das hilft keinem so richtig“, kommentierte Belgrads deutscher Nationalspieler Marko Bolovic das denkwürdige Resultat. Immerhin: Da es in der Parallelpartie zwischen CN Atletic Barceloneta (Spanien) und Titelverteidiger Jug Dubrovnik (Kroatien) beim 7:7-Unentschieden ebenfalls eine Punkteteilung gab, konnte sich beim Kampf um Rang zwei in der Gruppe B hinter Topfavorit Pro Recco (drei Siege nach einem 11:7-Auswärtserfolg beim kommenden Waspo98-Kontrahenten ZF Eger) kein Team bisher entscheidend absetzen, und auch für den deutschen Vertreter ist damit noch alles drin.

 

Waspo 98 Hannover (GER) – Partizan Belgrad (SRB) 12:12 (3:4, 0:3, 4:3, 5:2)

Hannover: Roger Kong – Ante Corusic 2, Erik Bukowski, Marin Ban, Darko Brguljan 3, Aleksandar Radovic 4/1, Predrag Jokic, Jorn Winkelhorst, Luka Sekulic, Pere Estrany 2, Marek Tkac, Ingo Pickert und Luka Sukic. Trainer: Karsten Seehafer

Persönliche Fehler: 11/15

 

 

Resultate 3. Spieltag

Gruppe A
Olympiakos Piräus (GRE) – Olympic Nizza Natation (FRA) 15:2
AN Brescia (ITA) – Szolnoki VSC (HUN) 9:10
Wasserfreunde Spandau 04 (GER) – OSC Budapest (HUN) 7:11

Punktestand: 1. Piräus 7, 2. Szolnok 7, 3. OSC 6, 4. Brescia 3, 5. Spandau 3, 6. Nizze 0

 

Gruppe B
Waspo 98 Hannover (GER) – Partizan Belgrad (SRB) 12:12
CN Atletic Barceloneta (ESP) – Jug Dubrovnik (CRO) 7:7
ZF-Eger (HUN) – Pro Recco (ITA) 7:11

Punktestand: 1. Recco 9, 2. Barceloneta 5, 3. Dubrovnik 4, 4. Eger 3, 5. Hannover 2, 6. Belgrad 1

Mit Dank an Wolfgang Philipps (Deutsche Wasserball-Liga)

 

 


 
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