< Europas Beste im Stadionbad: Teil 1
11.12.16 10:21 Alter: 141 Tage
Kategorie: Wasserball
Von: Frank von der Fösse

Werbung für die Sportart

9:9-Unentschieden gegen Spaniens Serienmeister Barceloneta


Der nächste deutsche Punktgewinn in der Gruppenphase der Champions League ist perfekt: Zehn Tage nach dem 8:6-Auswärtserfolg der Wasserfreunde Spandau 04 bei Olympic Nizza Natation (Frankreich) haben in der Parallelgruppe jetzt die Waspo 98 Hannover am zweiten Spieltag der Gruppe B keinem Geringeren als Spaniens Serienmeister CN Atletic-Barceloneta in einer hochspannenden Partie ein 9:9 (2:3, 3:2, 2:1, 2:3)-Unentschieden abgerungen und damit ihre sportliche Qualifikation für die Duelle der besten zwölf Mannschaften Europas noch einmal unterstrichen.

Waspo98-Trainer Karsten Seehafer gab sich nach dem Spielende als zurückhaltender Genießer: „Die haben nicht damit gerechnet, dass sie hier unentschieden spielen“, freute er sich über den ersten Punktgewinn seines Teams in den bis Ende April andauernden Duellen mit den besten zwölf Vereinsmannschaften Europas. Auch die Zuschauer kamen beim ersten Heimauftritt eines DSV-Vertreters in der diesjährigen Gruppenphase der Champions League voll auf ihre Kosten: Vor vollen Rängen im Stadionbad konnte sich keine der beiden Mannschaften einen entscheidenden Vorteil erarbeiten, und die Führung sollte im Verlauf der Partie gleich mehrfach wechseln.

Zahlreiche Helfer hatten die mittlerweile 44 Jahre alte Spielstätte am Maschsee in noch nie dagewesener Form für ein Wasserballevent hergerichtet, und die Akteure des Gastgebers drehten im Becken ebenfalls auf: Nach nur kurzem Anlauf erzielte Darko Brguljan mit zwei spektakulären Treffern zum 2:1 (5.) die erste Führung seines Teams im laufenden Wettbewerb. Umso ärgerlicher war daher, dass sich der montenegrinische Topangreifer noch im ersten zwei Zeitstrafen leistete, was für den weiteren Spielverlauf zu einem regelrechten Damoklesschwert für die Aktionen der Niedersachsen wurde.

Der Spannung in der Partie tat dieses jedoch keinen Abbruch, zumal sich das im Sommer neuformierte Team des Gastgebers als geschlossene Einheit präsentierte. Die Gäste aus Spaniens Wasserball-Hauptstadt gingen mit einem 3:2-Vorsprung in die erste Pause, doch mit seinem Treffer zum 5:4 per Freiwurf (13.) holte Aleksandar Radovic die Führung für die Niedersachsen zurück. Den knappen Vorsprung konnte die Seehafer-Sieben zwar nicht in die Halbzeitpause retten, doch im dritten Abschnitt gelang nach zwei Treffern von Pere Estrany und 18 Sekunden vor der Sirene Luka Sekulic hier dann die 7:6-Führung vor dem letzten Anschwimmen.

Im Schlussviertel schienen die Hausherren dann allerdings das Pech zunächst regelrecht gepachtet zu haben: Zum zweiten Mal in Folge trafen die Gäste mit einem gewonnenen Anschwimmen prompt zum 7:7-Gleichstand. Zudem ging der spanische Meister beim 8:7 und 9:8 jeweils im Anschluss an eine vergebene Überzahlchance der Hausherren in Führung. Knapp drei Minuten vor dem Ende der Partie bewies Seehafer taktisches Geschick und griff anstelle eines fliegenden Spielerwechsels mit einem dann ungefährlichen zu einer Auszeit: Den langen Angriff nutzte Radovic per Freiwurf zum 8:8-Ausgleich, so dass die Dramatik unvermindert anhielt.

Zwar gingen die Gäste erneut in Führung, doch in den verbliebenen 83 Sekunden hatten die Gastgeber dann das Schlachtenglück auf ihrer Seite: 61 Sekunden vor dem Spielende suchte ausgerechnet Hannovers Spanier Pere Estrany in Überzahl den Abschluss von der linken Außenposition. Barceloneta-Schlussmann Daniel Lopez Pinedo, einer der aktuellen Olympiateilnehmer auf Seiten der Gäste, war mit beiden Händen dran, doch die Wucht des Wurfes drückte den Ball trotzdem noch über die Linie. Der Champions League-Gewinner von 2014 hatte im Gegenzug noch eine Überzahlchance, doch als das Spielgerät nur den Außenpfosten streifte, kannte der Jubel auf den Rängen keine Grenzen mehr.

„Am Ende ein gerechtes Unentschieden mit Werbung für den Sport und eine Einladung zum nächsten Heimspiel am 21.12.“, präsentierte Seehafer selbst die vielleicht beste Zusammenfassung der Partie. Die Fans können sich auf eine zeitnahe Fortsetzung freuen: Drei Tage vor dem Weihnachtsfest gastiert mit dem siebenmaligen Europapokalgewinner Partizan Belgrad noch einmal einer der ganz großen Namen der Sportart in Niedersachsens größter Schwimm- und Wasserballarena, allerdings wartet Serbiens Rekordmeister nach der 8:9-Heimniederlage gegen den ungarischen Vertreter ZF Eger noch auf den ersten Punktgewinn im laufenden Wettbewerb.

 

Champions League 2016/2017

Gruppe B in Hannover, 2. Spieltag

Waspo 98 Hannover (GER) – CN Atletic Barceloneta (ESP) 9:9 (2:3, 3:2, 2:1, 2:3)

Hannover: Roger Kong – Ante Corusic, Erik Bukowski, Marin Ban, Darko Brguljan 2, Aleksandar Radovic 2, Predrag Jokic, Jorn Winkelhorst 1, Luka Sekulic 2, Pere Estrany2, Marek Tkac, Ilja Immermann und Luka Sukic. Trainer: Karsten Seehafer

Persönliche Fehler: 9/10

 

 

Resultate 2. Spieltag

Gruppe A
Szolnoki VSC (HUN) – Olympiakos Piräus (GRE) 5:5
Olympic Nizza Natation (FRA) – OSC Budapest (HUN) 7:13
AN Brescia (ITA) – Wasserfreunde Spandau 04 (GER) 9:6

Tabellenstand: 1. Olympiakos Piräus 4, 2. Szolnoki VSC 4, 3. OSC Budapest 3, 4. AN Brescia 3, 5. Wasserfreunde Spandau 04 3, 6. Olympic Nizza Natation 0

 

Gruppe B
Jug Dubrovnik (CRO) – Pro Recco (ITA) 8:11
Partizan Belgrad (SRB) – ZF Eger (HUN) 8:9
Waspo 98 Hannover (GER) – CN Atletic Barceloneta (ESP) 9:9

Tabellenstand: 1. Pro Recco 6, 2. CN Atletic Barceloneta 4, 3. Jug Dubrovnik 3, 4. ZF Eger 3, 5. Waspo 98 Hannover 1, 6. Partizan Belgrad 0

Mit Dank an Wolfgang Philipps (Deutsche Wasserball-Liga)

 

 


 
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