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13.11.16 05:20 Alter: 1 Jahre
Kategorie: Wasserball
Von: Frank von der Fösse

Waspo 98 beendet gleich zwei Serien

Erster Sieg gegen Spandau nach 14 Jahren


Der Bann ist gebrochen: Waspo 98 hat endlich mal wieder gegen Spandau 04 gewonnen.

So etwas nennt man wohl eine „erfolgreiche Woche“: Nur drei Tage nach dem Einzug in die Gruppenphase der Champions League und die besten zwölf Mannschaften Europas hat Waspo 98 Hannover auch das Spitzenspiel der Deutschen Wasserball-Liga (DWL) gewonnen. Die Sieben von Trainer Karsten Seehafer setzte sich auswärts bei Titelverteidiger Wasserfreunde Spandau 04 mit 13:11 (5:5, 5:3, 1:3, 2:0) durch und konnte damit erstmals nach einer geradezu epischen Durststecke erstmals wieder gegen das Rekordteam des deutschen Wasserballs gewinnen. Die Niedersachsen haben damit nach dem zweiten Spieltag auch die alleinige Führung in der Tabelle der A-Gruppe übernommen.

Das mit Spannung erwartete Duell der beiden deutschen  Teilnehmer in der Hauptrunde der Champions League (die international allerdings in verschiedenen Gruppen spielen werden) bescherte den Zuschauern in der Schöneberger Schwimmsporthalle eine Partie mit Emotionen, Diskussionen, spektakulären Szenen und vier zum Teil sehr unterschiedlichen Spielabschnitte. In dem aktionsreichen Auftaktviertel (5:5) fielen sogar gleich zehn Treffer, wobei selbst ein von Spandau-Schlussmann Laszlo Baksa parierter Strafwurf nur kurzzeitig für eine Unterbrechung der Torflut sorgte. Hier hatten die Berliner zunächst mit 5:3 (7.) geführt, mussten aber noch mit der Pausensirene den 5:5-Gleichstand hinnehmen.

Auch der zweite Abschnitt (3:5) brachte reichlich Tore, allerdings kam jetzt die Abwehr der Gäste besser ins Spiel. Daher lagen die Waspo 98 zwischenzeitlich bereits mit 10:7 (16.) in Front, ehe Spandaus serbischer Neuzugang serbischer Neuzugang Nikola Dedovic vier Sekunden vor der Halbzeit noch auf 8:10 verkürzte. Nach dem Seitenwechsel schien dann im Angriff Sand in das Getriebe der Gäste zu kommen. Spandau glich nach Treffern von Marin Restovic und Marko Stamm zum 10:10 (22.) aus. Acht Sekunden vor dem Ende des dritten Viertels verabschiedeten sich zeitgleich Mehdi Marzouki, Marko Stamm (beide Spandau) und Darko Brguljan (Hannover) vorzeitig, nachdem es zuvor bereits Spandaus Lucas Gielen erwischt hatte.

Zwar glich Spandaus Nikola Dedovic mit einem direkt verwandelten Freiwurf zum 11:11-Pausenstand aus, doch in dem torramen Schlussabschnitt (0:2) schienen auf beiden Seiten im Angriff die ultimativen Ideengeber und Vollstrecker zu fehlen. Nach fünf Minuten ohne Treffer ließ erst Waspo und direkt danach Spandau jeweils die neuralgische Überzahlchance nach einer Auszeit ungenutzt, doch schließlich gelangen den Gästen die entscheidenden Aktionen: Aleksandar Radovic per Strafwurf und Erik Bukowski 64 Sekunden vor der Schlusssirene in Überzahl erzielten die beiden Treffer zum 13:11-Endstand aus Sicht der Gäste, die sich in der Abwehr zum Spielende hin keine Blöße gegeben hatten.

Der Gästeerfolg in dem Spitzenspiel brachte auch das Ende gleich zweier Serien: Waspo 98 konnte erstmals seit der mit 2:3 knapp verlorenen Finalserie des Jahres 2002 (!) wieder eine Partie gegen Spandau gewinnen. Dazwischen hatte es für die Niedersachsen einzig in der Saison 2014/2015 ein 5:5-Unentschieden im heimischen Stadionbad und das erst im Fünfmeterwerfen verlorene Pokalendspiel von Potsdam gegeben. Für die Berliner war es die erste Niederlage gegen einen nationalen Kontrahenten seit November 2014, als die Hauptstädter bei einem ihrer ersten Auftritte unter dem damals neuen Trainer Petar Kovacevic mit 4:6 beim ASC Duisburg unterlagen gewesen waren.

Beide Teams haben noch etwas Luft nach oben und werden aus diesem ersten (und recht frühen) Saisonduell ihre Lehren ziehen: „Wir haben eine Halbzeit lang nicht gut verteidigt, zehn Gegentore sind einfach zu viel – das darf nicht passieren. Gegen ein ausgebufftes Team, wie es Hannover aktuell ist, kann man das schwer kompensieren“, sagte Spandaus Manager Peter Röhle, der nach eigenem Bekunden mit einer „unnötige Niederlage“ haderte. Gästetrainer Karsten Seehafer gab sich nach Jahren des Wartens auf den Erfolg demütig: „In Berlin muss man länger besser sein, da reichen nicht drei Viertel. Heute hat es geklappt, und es ist eine große Duftmarke – nicht nur für Deutschland, sondern auch für die Aufgaben in der Champions League.“

Die national zuletzt seit mehr als zwei Jahren ungeschlagenen und zumeist auch nicht sonderlich geforderten Berliner werden aus dem Ende der Serie neue Motivation ziehen: „Wir wollen jetzt eine neue Siegesserie beginnen“, gab Röhle als Devise für die kommenden Spiele aus, wobei bereits am kommenden Sonnabend die Auswärtspartie bei Vizemeister ASC Duisburg auf dem Programm steht. Die prompte Kampfansage in Richtung Hannover erfolgte direkt nach Spielende von Spandaus Spielführer Marko Stamm: „Meister werden sie nicht.“ Das teilweise neuformierte Team von der Fösse hat allerdings zunächst einmal alle Ziele der anspruchsvollen ersten Saisonphase erreicht. „Die Spieler wissen, dass in diesem Jahr etwas geht“, glaubt Seehafer an weiteren Rückenwind.

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Mit Dank an Wolfgang Philipps (Deutsche Wasserball-Liga)

 


 
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