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08.11.16 07:40 Alter: 285 Tage
Kategorie: Wasserball
Von: Frank von der Fösse

Der Griff nach der „Königsklasse“

Waspo 98 kämpft in Oradea um Champions League-Hauptrunde


Schwieriger Auswärtsauftritt: Predrag Jokic gastiert mit Waspo 98 am Mittwochabend beim Rumäniens neunmaligen Meister CSM Oradea. Foto: Jens Witte

Kann sich neben dem per „Wild Card“ gesetzten Team der Wasserfreunde Spandau 04 ein zweiter deutscher Verein für die prestigeträchtige Hauptrunde der Champions League qualifizieren? In der dritten Qualifikationsrunde des höchsten europäischen Vereinswettbewerbs gastiert der DWL-Dritte Waspo 98 Hannover heute Abend bei Rumäniens neunmaligen Meister CSM Oradea und muss beim Rückkampf an der Schnellen Kreisch (so der Name des an die Arena angrenzenden Flusses) einen Fünf-Tore-Vorsprung aus dem Heimspiel verteidigen. Das Anschwimmen in der Ion-Alexandrescu-Schwimmhalle steigt um 18 Uhr deutscher Zeit.

Exakt 25 Jahre ist der erste Auftritt des Vorgängers Waspo Hannover-Linden: 1991 konnte ein aufstrebender Klub mit Uwe Brinkmann auf der Trainerbank und dem heutigen Coach Karsten Seehafer als Spieler bei einem Vierturnier im heimischen Stadionbad mit drei Siegen gegen EN Tourcoing (Frankreich/18:7), Hapoel Kyriat Ono (Israel/22:4) und den damaligen Vorjahresfinalist AZC Alphen (Niederlande/16:14 das Viertelfinale im Europapokal der Pokalsieger erreichen. Ein Vierteljahrhundert später sind die Niedersachsen in Deutschland mit mittlerweile 119 Spielen hinter Markenführer Spandau 04 der Verein mit den zweitmeisten Europapokalauftritten und wollen heute Abend ein weiteres Kapitel hinzufügen: Erstmals soll der Sprung unter die zwölf besten Vereinsmannschaften Europas glücken.

Gastgeber CSM Oradea ist jedoch nicht nur gefährlich, sondern hat sich den vergangenen zehn Jahren zu einer festen Größe im europäischen Vereinswasserball gemausert: Seit 2009 konnte neunmal in Folge die rumänische Meisterschaft gewonnen werden. In der Saison 2013/2014, der ersten Spielzeit mit dem „Wild Card“-System, gelang dem Team aus der rumänisch-ungarischen Grenzstadt sogar der Einzug in jene Hauptrunde mit den zwölf besten Teams Europas. Möglich gemacht wurde dieses neben einem soliden Umfeld auch die erst kurz davor eröffnete Ion-Alexandrescu-Schwimmhalle. Die am Rande der Innenstadt gelegene Arena verfügt neben einem 50-Meter-Sportbecken mit internationalen Ausmaßen auch über ein Cabriodach und hat seitdem nicht nur zahlreiche Europapokalpartien, sondern auch die Olympiaqualifikation 2008 beherbergt.

Die Voraussetzungen für das Weiterkommen sind aus Sicht des DSV-Vertreters hervorragend, aber noch nicht ausreichend: Mit dem 12:7-Heimsieg zwei Wochen zuvor im Bremer „Exil“ hat sich die Sieben von Trainer Karsten Seehafer eine blendende Ausgangsposition verschafft, allerdings kann sich ein Fünf-Tore-Plus im modernen Wasserball auch schnell in Luft auflösen: Das wissen die Protagonisten der Waspo 98 derzeit vielleicht am besten in Deutschland. An der Weser brauchte der DSV-Vertreter lediglich das Auftaktviertel um einen 5:0-Vorsprung herauszuwerfen. Hat ein Team erst einmal einen Lauf, lässt sich dieses nur schwerlich stoppen. Dieses gilt auswärts umso mehr, wie Oradea beim Hinkampf schmerzlich erfahren musste.

Gute Erinnerungen an Gastspiele in Rumänien haben die Niedersachsen allerdings nicht: Vor zwei Jahren unterlagen die Waspo 98 im Viertelfinale des Euro Cups mit 7:9 bei Steaua Bukarest. Geradezu legendär ist ein Auftritt in der Provinzstadt Pitesti, wo die Niedersachsen 1999 im damaligen Pokalsieger-Wettbewerb ebenfalls gegen Steaua mit 5:7 in der Verlängerung unterlegen gewesen sind: „Die sind wir nach Strich und Faden besch… worden“, erinnert sich Vereinspräsident Bernd Seidensticker noch bestens an eine Partie mit „schwierigem Umfeld“. Bis heute gilt die Begegnung als ein Paradebeispiel, wie abenteuerlich Europapokalspiele im Ausland sein können.

Anders als bei dem denkwürdigen Turnier in Pitesti würden die Niedersachsen diesmal selbst bei einer Niederlage in der Gesamtwertung beider Spiele mit dem Umzug in das Viertelfinale des sportlich nachgeordneten Euro Cups (vormals LEN-Pokal) auf der internationalen Bühne verbleiben. Doch wer sich in der „Königsklasse“ des europäischen Vereinswasserballs derart nah an die seit 2013 nur noch als zwölf Teams bestehende Hauptrunde herangekämpft hat, möchte sich dann doch gerne mit den absoluten Topteams der Sportart messen, und die Chancen stehen in der Tat so gut wie noch nie.

Mit Dank an Wolfgang Philipps (Deutsche Wasserball-Liga)

 

 


 
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