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19.12.17 09:09 Alter: 28 Tage
Kategorie: Wasserball
Von: Frank von der Fösse

Waspo 98 unter Druck

Seehafer-Sieben am Mittwochabend im Champions League-Duell mit Partizan Belgrad


2011 mit Pertizan Europapokalgewinner, jetzt mit Waspo 98 erfolgrech: Aleksandar Radovic. Foto: Jens Witte

Der deutsche Pokalsieger Waspo 98 Hannover präsentiert zum Jahresabschluss noch einmal einen großen Namen des europäischen Wasserballs im Stadionbad: Die Mannschaft von Trainer Karsten Seehafer empfängt am fünften Spieltag der Champions League Serbiens Rekordmeister Partizan Belgrad und braucht dringend alle drei Punkte, um in der Hauptrundengruppe A die Chance auf eine Platzierung in der oberen Tabellenhälfte aufrechtzuerhalten. Das Anschwimmen in Niedersachsens größer Schwimm- und Wasserballarena steigt wieder um 18:30 Uhr. 

Weihnachtsgeschenke soll es für die Gäste allerdings nicht geben, zumal sich zum letzten Auftritt beider Teams vor den Feiertagen die Vorzeichen im Verlaufe der Saison verschoben haben: War der deutsche Vertreter Ende Oktober noch mit einem 8:6-Heimerfolg gegen Italiens Vizemeister AN Brescia bestens in die Hauptrunde gestartet, sind die Niedersachsen in der Tabelle mit drei Niederlagen in Serie in dem recht ausgeglichenen Teilnehmerfeld nun durchgereicht worden, nachdem es zuletzt beim 6:9 in Moskau trotz guter Möglichkeiten ebenfalls keine Punkte gegeben hat. Mit dem morgigen Duell gegen die Serben trifft damit am Maschsee der nunmehrige Vorletzte auf das Tabellenschlusslicht. 

Der Meister aus dem Lande des Olympiasiegers konnte in der laufenden Saison noch keine Partie gewinnen und hatte im Vorfeld der Saison aufgrund finanzieller Engpässe sogar um seine „Wild Card“ für die Königsklasse bangen müssen. 2011 konnten die Serben, damals mit dem aktuellen Waspo98-Torjäger Aleksandar Radovic in ihren Reihen (dort sogar auch als Anschwimmer), noch die Champions League gewinnen, doch seitdem hat das Team aus der Hauptstadt immer wieder ein regelrechter Exodus der besten Aktiven und vor allem Talente ereilt. In der laufenden Saison vertraut der Traditionsklub daher fast durchweg Spieler der Jahrgänge 1996 bis 1998. 

Allerdings: Die Nachwuchsarbeit des Klubs ist nicht nur national, sndern auch im Weltmaßstab absolut herausragend, und die Talente scheinen an der Save geradezu unerschöpflich zu sein. Dass Partizan auch ohne aktuelle Nationalspieler ein gefährlicher Kontrahent ist, mussten in der vergangenen Saison auch die Waspo98-Sieben am eigenen Leibe erfahren: Vor heimischer Kulisse kamen die Niedersachsen, dieses ebenfalls direkt vor den Feiertagen, nach dem geschafften Hauptrundeneinzug nicht über ein 12:12-Unentschieden hinaus und an der Save setzte es sogar eine 9:13-Niederlage.

Die Stärke der Jugendarbeit der Klubs aus dem früheren Jugoslawien hatte auch deutsche Meister Wasserfreunde Spandau 04 erfahren müssen, als es gleich zum Auftakt des Wettbewerbs eine 5:11-Auswärtsschlappe bei Montenegros Meister Jadran Herceg Novi setzte. Die Berliner haben jedoch ihre anfängliche Formschwäche überwunden und sind seitdem national wie international ungeschlagen; aktuell sind es die Niedersachsen, die derzeit sichtbar schwächeln. Bei den „englischen Wochen“ direkt vor den Feiertagen konnten die Waspo98-Sieben national wie international keine der drei bisherigen Partien gewinnen.

Zusätzlich zu der „Ergebniskrise“ präsentierten sich die Niedersachsen am vergangenen Wochenende bei der 7:10-Heimplatte im nationalen Toppduell gegen Spandau allerdings auch spielerisch äußerst schwach: Tore aus dem laufenden Spiel oder auch nur in Überzahl wollten bis in das Schlussviertel hinein so gut wie gar nicht fallen; langjährig international erfahrene Akteure verstecken sich im Angriff hinter dem Torjägerduo Radovic/Brguljan regelrecht. „So wird das gegen Belgrad nicht reichen“, gaben sich nicht nur die Masters des Klubs, die seit Jahren für den Auf- und Abbau des Spielfeldes zuverlässig zur Verfügung stehen, als ständige Beobachter der Topppartien kritisch.

 

Morgen Abend muss daher dringend noch einmal eine Leistungsseigerung her, wenn der DSV-Vertreter im Kampf um einen der vier ersten Plätze und den Finaleinzug vorzeitig entscheidend zurückfallen. Ein Sieg würde aber auch die Jahresbilanz der Niedersachsen ein wenig verbessern, die 2017 in einem aus Sicht der Fans wirklich ereignisreichen Jahr nach 14-jähriger Durststrecke erstmals wieder DSV-Pokal und Supercup gewinnen konnten und auch erstmals seit 2002 wieder in das Meisterschaftsfinale einziehen.

Mit Dank an Wolfgang Philipps (Deutsche Wasserball-Liga)

 

 


 
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